EU-Richtlinie 2014/227/EU // Verbot von Silber – Ionen im Trinkwasser durch Einsatz von Silberchlorid

Man mag den Sinn von EU-Richtlinien oftmals bezweifeln, wenn es um den europaweiten Einsatz von Silber – Ionen im Trinkwasser geht. Aber bei diesem Beschluss stimme auch ich gerne zu.

Im Durchführungsbeschluss 2014/227/EU hat die EU beschlossen, den Wirkstoff  Silberchlorid auf Grund fehlender Wirkstoffnachweise zu verbieten. Der Vertrieb von Produkten, die Silber aus Silberchlorid gewinnen, werden ab April 2015 verboten. Was ist passiert?

Silberchlorid als Ausgangsstoff für Silber im Trinkwasser war schon lange Zeit umstritten. Die EU-Gesetzgeber hatten deshalb beschlossen, den Stoff Silberchlorid zuzulassen, aber um eine ausreichende Untersuchung der Wirksamkeit und Auswirkungen zu bitten. Dieser „Bitte” nach ausreichenden Ergebnissen wurde nicht entsprochen. Es gab also keine wirklich zugelassene Untersuchungen. Da man jedoch von EU-Seite nicht einfach einen Wirkstoff (Bioziid!) verbieten wollte, wurde Silberchlorid (Silbersalze) vorerst zugelassen. Dann hatte man gedroht, den Wirkstoff zu verbieten und danach haben sich Firmen/Länder gefunden, die sich um die geforderten Untersuchungen kümmern wollten, bevor Silber – Salze als Zusatz zum Trinkwasser endgültig verboten werden sollte. Es gab also eine Verlängerung. Nachdem auch in dieser Zeit der Verlängerung von Firmen / Ländern keine ausreichenden Unterlagen eingereicht wurden, hat die EU-Gesetzgebung mit o.g. Durchführungsbeschluss endgültig festgelegt, dass Silber – Salze / Silber – Chlorid nicht mehr zugelassen ist (siehe 2014/227/EU).

Und jetzt? Wie reagiern die Hersteller von Produkten zur Trinkwasser-Desinfektion auf dieses Verbot?

Ein bekannter Hersteller aus der Schweiz schreibt, dass seine Produkte nun umgestellt werden und die Eigenschaften der Produkte selbst jedoch nicht verändert worden sind. So denn….
Ein anderer Hersteller setzt jetzt auf ein neues Produkt in Form einer Kugel, die kontrolliert Silberionen ins Wasser abgibt – permanent. Wenn wir jetzt annehmen, dass es sich bei Silber um eine Chemikalie handelt, dann möchte ich gerne aus der Zeitung „twin” des DVGW zitieren:

Eine permanente chemische Desinfektion
des Trinkwassers bei gleichzeitiger Absenkung der
Warmwassertemperatur mit dem Ziel einer Energieeinsparung entspricht
nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Sie
widerspricht außerdem dem Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001)

Weiter unten finden Sie Interessantes zum Thema „Silber im Trinkwasser”.

Bilden Sie sich selber eine Meinung. Die oben genannten Produzenten haben auf das Silberchlorid – Verbot (2014/227/EU) reagiert.

Und dann sollten Sie sich die Frage stellen, warum zum Thema „Desinfektion von Trinkwasser” die biostream® GmbH nur mit einer kurzen Pressemeldung reagiert hat. Ganz einfach: Weil die biostream® GmbH von Anfang an auf den Einsatz von Silber und Kupfer (Schwermetalle) verzichtet hat – und verzichten wird.

 


 

Unabhängig von der neuen Verordnung gibt es auch eine sehr ausführliche Untersuchung zum Thema Silber und Silberionen im Trinkwasser, welches vom Umweltbundesamt herausgegeben wurde. Hier geht man u.a. auch auf ökotoxikologische Auswirkungen beim Einsatz von Silber oder Silberionen ein. 

Diese Veröffentlichung kann als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Das Dokument umfasst 844 Seiten und ich gehe deshalb nur auf einige wenige Aussagen ein:

  • Auf Seite 59 wird zum Thema E.Coli – Bakterien über den Wirkstoff Ag-Nanopartikel (ca. 12 nm) Folgendes geschrieben:
    „Untersuchung in Flüssigkultur (10 – 100 µg/mL) nur Wachstumsverzögerung, keine vollständige Hemmung [von E.Coli]”
  • In Gegenwart von Huminsäuren, die im Wasser vorkommen, wird die hemmende Wirksamkeit stark eingeschränkt und bei pH-Werten von 6 und 7,5 wurde KEINE Hemmwirkung verzeichnet. Es werden also keine Keime (in diesem Beispiel Pseudomonas flourescens) abgetötet! (Seite 62)
    Diese Erkenntnis ist nicht neu: Silber ist laut Zusatzliste des Umweltbundesamtes auch gar nicht zur Desinfektion von Trinkwasser zugelassen. Es ist ein reines Konservierungsmittel.

Eine weitere interessante Studie vom WHO, die sich ebenfalls mit Silber und Silberionen im Trinkwasser beschäftigt, bringt auch interessante Dinge an´s Licht. Die 53 Seiten in englischer Sprache können Sie hier anschauen.

Einige Fakten finden Sie zusammengefasst hier:

This group also looked at the potential for exposure to silver (100 µg/l) to reduce biofilm formation in drinking-water distribution systems (Silvestry-Rodriguez et al., 2008). In this role, silver was found to be ineffective, and there was no difference seen between the silver treatment and the control.

In der eben zitierten Studie wird darauf hingewiesen, dass die dort angewendete Silberkonzentration keinen Biofilm reduzieren kann. Biofilme in Trinkwassersystemen bieten aber die perfekte Grundlage für im Wasser vorkommende Keime, wie z.B. Pseudomonas, E.Coli. Silber inaktiviert Bakterien und verlangsamt das Wachstum, tötet aber nur in hohen Konzentrationen die Keime komplett ab. (Seite 3).

Very few studies considered the possibility of bacterial regrowth in the silver treated drinking-water (i.e. that silver is acting as a bacteriostatic, rather than bacteriocidal, agent).

Auf Seite 32 wird darauf hingewiesen, dass Silber zwar bakteriostatisch aber nicht bakterizid ist. Das bedeutet: Keime werden inaktiviert aber nicht abgetötet. In der Studie wird an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass es zu einer Wiederverkeimung des Trinkwassers kommen kann, wenn das Silber nicht mehr in hoher Konzentration vorhanden ist!

Auf Seite 38 findet sich das dicke Ende:

Finally, returning to the questions asked in Section 1, while the overall quality of evidence has only been rated as between moderate and low it is suggested that the evidence is sufficient to indicate that:

• while silver is toxic to mammalian cells in vitro, in vivo studies show minimal toxicity at realistic exposure scenarios and as such it seems unlikely to cause harm to humans from its use as a drinking-water treatment; and

• in its current applications, silver is not an effective drinking-water disinfectant.

In Kurzform (und übersetzt) kommt die Studie zu zwei Ergebnissen:

  • Obwohl Silber Zellmembrane in Laborversuchen abtötet, zeigt Silber „in freier Natur” nur geringe Toxizität
  • In gängiger Praxis (current applications) ist Silber kein effektives Trinkwasser – Desinfektionsmittel.